Irrsinnige Anti-Drogen-Repression in der Justizvollzugsanstalt Wittlich

Normalerweise warte ich nach seltsamen Vorgängen in der JVA Wittlich immer etwas, bevor ich schreibe. Ich verarbeite diese Vorgänge erst vollumfänglich und versuche zumindest, das alles – wenigstens etwas – differenzierter zu sehen.

Diesmal mache ich das anders. Ich möchte nämlich, dass meine Emotionen mit in diesen Artikel einfließen.

Sonntags werden wir um 7:45 Uhr geweckt. Heute Morgen kamen bereits um kurz nach Acht zwei Bedienstete in meine Zelle: UK!

Eine UK ist eine Urinkontrolle, durch die nach Drogenabbauprodukten gesucht wird.

Im besten Fall sind die Bediensteten gut ausgebildet und erkennen daher in den meisten Fällen durch das Zurückrufen auf Erfahrungswerte und – ebenso bestenfalls – auf den gesunden Menschenverstand, wer wahrscheinlich Drogen konsumiert und wer nicht.

In der JVA Rohrbach sowie der JVA Frankenthal funktioniert das richtig gut. In der JVA Wittlich leider überhaupt nicht.

Während ich in den beiden ersteren Anstalten über 2,5 Jahre angemessene zwei Urinkontrollen über mich ergehen lassen musste, sind es in der Justizvollzugsanstalt Wittlich in gut zwei Jahre unfassbare 16, 17 Stück!

Da ich keinerlei Suchtproblematik aufzuweisen habe und ein normaler Mensch mir garnicht zutrauen kann, gerade in Haft Drogen zu konsumieren, wurde ich, bevor ich in den Verwahrvollzug in Wittlich verlegt wurde, eben nur zweimal getestet – ganz logisch – sollte man meinen.

Weit gefehlt: Die JVA Wittlich verschwendet wertvolle Ressourcen, um Drogentests bei Nichtkonsumenten vorzunehmen.

Warum, fragt man sich da. Gut, man weiß, dass ich oft Probleme damit habe, auf Kommando Körperfunktionen hervorzurufen. Die eine UK in der JVA Frankenthal dauerte 3,5 Stunden. Heute waren es zwei. In der JVA Wittlich ist es außerdem so, dass man – das halte ich für rechtswidrig – zwei Stunden Zeit hat, dann gilt es als Verweigerung und man wird, auch als Nichtkonsument, sanktioniert. Die Bediensteten, die die heutige UK durchführten, haben sich anständig verhalten. Trotzdem steht man alleine wegen der Zeit unter Druck, weil man weiß, dass man auch als Nichtkonsument dafür bestraft wird, dass man nicht pinkeln kann. Zudem sind die Bediensteten auch oft ungeduldig und seufzen z.B. genervt, auch wenn das eher unbewusst geschieht. In jedem Falle darf es nicht sein, dass ein Arzt pauschal für alle entscheidet, dass nach zwei Stunden eine Verweigerung vorliegt. Es besteht so nämlich die konkrete Gefahr, dass Unschuldige dafür bestraft werden, wenn sie nicht auf Kommando pinkeln können. Das darf in einem Rechtstaat nicht sein. Zur Erinnerung, ich erhärte diese Befürchtungen dadurch, dass ich in Frankenthal nach 3,5 Stunden eine negative Urinprobe abgab. Vielmehr muss dies im Einzelfall entschieden werden, dabei sind der echte und nicht der vermeintliche Drogenkonsum und das bisherige Verhalten zu Drogen in Haft zu berücksichtigen. Daher hätte ich mich mit legitimen Mitteln massiv dagegen gewehrt, wenn ich trotz fehlenden Konsums bestraft wordn wäre. Eventuell wollte man mich also einfach nur belästigen.

Eine andere Möglichkeit ist die, dass die Bediensteten einfach nicht erkennen, wenn ein Gefangener ein Nichtkonsument ist.

Am wahrscheinlichsten ist aber, dass die Verantwortlichen selbst nicht glauben können, dass man drogenfrei durch den Verwahrvollzug der JVA Wittlich kommt.

Im Bericht „Die Wahrheit über die JVA Wittlich“ erläutern wir schon, dass die fehlende Fähigkeit der Bediensteten, Konsumenten als solche zu erkennen, in der JVA Wittlich, problematisch ist.

Auch wird dort der irrwitzige „Anti-Drogenkampf“ des Anstaltsleiters in Wittlich beschrieben, der die Resozialisierung konterkariert.

Dabei kann man sich schon fragen, wieso ich mich für Drogenkonsumenten einsetze, wenn ich selbt keiner bin. Nun, ich setze mich nicht dafür ein. Zwar kann ich nachvollziehen, dass Drogensüchtige – gerade in Wittlich – wegen des Drucks Suchtmittel konsumieren und würde es sicherlich auch tun, wenn ich der Typ dafür wäre (das Angebot ist groß). Es gibt andere Gründe dafür, nämlich die, dass gerade ich als Nichtkonsument die negativen Auswirkungen des irrwitzigen, erfolglosen und völlig naiven „Kampf“ gegen Drogen sehe. Durch die repressiven Maßnahmen ensteht nämlich ein Druck auf die Gefangenen, der oft erst zum Drogenkonsum führt. Durch die Repression wird zudem die Resozialsierung gefährdet, weil die Gefangenen über Gebühr eingeschränkt werden.

Natürlich ist der Kampf gegen Drogenkriminalität erforderlich. Das ist aber nur ein Nebenschauplatz. Die JVAs existieren nämlich zur Resozialisierung von Straftätern, die es in der JVA Wittlich nahezu in allen Fällen nicht gibt.

Eine JVA ist eine Vollzugsbehörde und keine Strafverfolgungsbehörde. Da es dem Anstaltsleiter offenbar nur darum geht, sollte er in eine Strafverfolgungsbehörde wechseln und die Drogenkriminalität bekämpfen, die die Gesellschaft gefährdet, nämlich die außerhalb, wo Konsumenten z.B. Auto fahren und Unschuldige zu Schaden kömmen können.

Ob in den JVAs Drogen konsumiert werden oder nicht, hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf Sie. Es kann Ihnen im Grunde egal sein. Zumindest sollten die Anstalten das tun, wofür sie bezalt werden, nämlich die Resozialisierung. Seien wir mal ganz ehrlich: Drogensüchtige werden stets Drogen konsumieren, ob diese in Haft sind oder nicht. Repressive Maßnahmen werden sie nicht im Geringsten davon abhalten. Ohne den Willen aufzuhören, kann keine Sucht nachhaltig behandelt werden, auch nicht durch erzwungene Abstinenz, selbst wenn diese funktionieren würde. Der Konsum in Haft hat auf die Gesellschaft keinen großen Einfluss, eine fehlende Resozialisierung jedoch sehr wohl.

In den Nachrihten war jüngst zu vernehmen, dass die JVA Wittlich nun „Drogenscanner“ einsetzt. Viel wichtiger wäre es, mal eine Resozialisierung einzusetzen und auf „Drogenscanner“ und sinnlose UKs bei Nichtkonsumenten zu verzichten. Den Preis für die jetzige Situation tragen nämlich Sie und das in zweifacher Hinsicht: Den „Drogenscanner“ und die 16, 17 UKs bei einem Nichtkonsumenten wie mir (also in einem Fall) zahlen nämlich Sie als Steuerzahler. Ebenso leiden Sie darunter, wenn Straftäter nicht resozialisiert werden. Es geht nur um die Resozialisierung, alles andere sind Nebeneffekte, nur insoweit entgegengewirkt werden darf, solange das Kernthema, nämlich die Resozialisierung nicht beeinträchtigt wird. Angesichts dessen kann man sich für die im kleinen Rahmen medienwirksame Informationen zur Anschaffung von teuren „Drogenscannern“ nur fremdschämen, da das einfach davon ablenken soll, dass in der Justizvollzugsanstalt nicht resozialisiert wird. Eine Vollzugsbehörde, die nicht resozialisiert, versagt schlicht auf ganzer Linie. Ganz egal, was sie sonst noch so tut!

 

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