Völlig absurde und wirkungslose Reaktion der JVA Wittlich auf Gewalttat

Heute erhielten wir einen „Aushang“. Auf diesem steht, dass alle Gefangenen zukünftig nur noch zwei Rasierer/Klingen aufder Zelle haben dürfen, die „im Nasszellenbereich auf der Ablage mit der Klinge / den Klingen nach ben abzulegen“ sind.

Die weiteren Rasierer werden im angemessenen mfang in den Abteilungskabinen aufbewahrt und „eins-zu-eins“ („Alt gegen Neu“) getauscht. Dabei sind den Wärtern alle übrigen Rasierer und Klingen vorzuzeigen. Die Rasierer werden nur gegen Unterschrift getauscht.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir eine solch absurde und hlflose Maßnahme noch nicht untergekommen ist.

Hintergrund ist der Angriff eines Gefangenen mit einem Rasierer auf einen Wärter. Tragisch, keine Frage. Gewalt ist stets abzulehnen und nutzt keinem, aber eine solche ignorante Manahme hilft garnichts.

So eine Reaktion ist aber typisch für die Justizvollzugsanstalt Wittlich. Es wird sich nie mit dem Kernproblem auseinandergesetzt, sondern es werden wieder nur die äußersten Symptome „behandelt“.

Die Regelung verhindert nun, dass man viele Rasierer auf der Zelle hat. Ich wüsste aber gar nicht, wie man bei einem Angriff mehr als zwei Rasierer handhaben sollte, wenn man nicht gerade Edward mit den Scherenhänden ist.

Noch absurder hingegen ist das Ablegen „mit der Klinge nach oben“. Wenn ein Gefangener angreifen will, hlt er doch nicht dann den Rasierer spontan aus der Toilette, sondern er hat ihn vorher oder, wenn erihn spontan holt, dreht er ihn eben um. Ob dann alle Rasierer der übrigen Gefangenen mit der Klinge nach oben in ihren Toiletten liegen, spielt doch dafür überhaupt keine Rolle.

Wie kommt man nur auf solche Ideen?

Es ist doch völlig unklug anzunehmen, dass ein Vorfall sich genauso wieder ereignen würde. Ein Gefangener, der angreifen will, der wird das immer tun, mit oder ohne Rasierer. Er wird immer etwas finden. Man kann nicht einfach alles verbieten. Die Gefangenen müssen sich rasieren könen. Das Midestmaß an notwendigen Mitteln muss vorhanden bleiben. Das wird sich auch nie ändern lassen.

Die Verantwortlichen müssen sich endlich damit auseinandersetzen, wieso es vermehrt zu Angriffen kommt. Das muss seine Gründe haben. Dafür ist doch gerade der Druck durch Repression und die fehlende Resozialisierung veranwortlich. Das ist doch nicht schwer zu erkennen. Man kann doch nicht darauf mit noch mehr Repression reagieren, dazu noch mit völlig absurder.

Ich will noch ein eispiel bringen: Vor Monaten wurde ein Handy in einem Tetra-Pack gefunden, in dem haltbare Milch war. Daraufhin hat man – typisch fr die JVA Wittlich – gleich haltbare Mich in Tetra-Packs von der Einkaufsliste genommen, bis man gemerkt hat, dass der Tetra-Pack das Versteck war und nicht der ursprüngliche Inhalt relevant ist, denn Vollmilch gab es noch.

Ich weiß auch gar nicht, was ich noch dazu sagen soll. Der Vollzug muss geöffnet wrden. Wenigstens muss nach Gesetz resozialisiert werden, der Druck muss von den Gefangenen genommen werden, sonst kann sich doch gar nichts ändern. Das absurde Verhalten zeigt doch nur eins: die Justizvollzugsanstalt Wittlich ist völlig hilflos mit der Situation und will oder kann das offensichtliche nicht erkennen. Das jetzige Verhalten ist so, als würde man Autos verbreiten, weil es tragische Amokfahrten gibt. Die Amokfahrer stiegen dann auf Motorräder um. Nützen würde auch das alles nichts! Man muss mit den Gefangenen sprechen und das „Warum“ beleuchten, sonst ändert sich nichts.

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