Die Bediensteten der JVA Wittlich werden besser bewaffnet

Jeder intelligente und  liberale Mensch, der in der Lage ist, die derzeitige beunruhigende Erosion der Demokratie zu erkennen, dürfte angesichts eines Artikels im Trierer Volksfreund zur Aufrüstung der Bediensteten in der Justizvollzugsanstalt Wittlich vom 19.03.2019 schockiert sein. Hier geht´s zum Artikel im Trierer Volksfreund.

Die Bediensteten werden dennoch mit einem neuen Schlagstock, sog. Einsatz-Mehrzweck-Stock (EMS) ausgerüstet. Dieser EMS soll die Holzknüppel ersetzen.

Der Artikel ist nun schon rund ein halbes Jahr alt. Da DJP seinerzeit offline war, wir nun dieser Artikel aufgearbeitet.

Fakt ist, dass sich Vorfälle in der Justizvollzugsanstalt Wittlich häufen. Doch was oder wer ist dafür verantwortlich?

Die Vorfälle nehmen besonders zu, seit Herr Patzak Anstaltsleiter ist. Im o.g. Artikel bestätigt das ja der Justizminister von Rheinland-Pfalz, Mertin (FDP), der aussagt, dass sich die Vorfälle in den letzten Jahren mehren. In den letzten Jahren war eben Herr Patzak Anstaltsleiter.

Dieser geht grob repressiv vor und schränkt zunehmend jedes Maß von Freiheit der Gefangenen ein. Das wohl dadurch präferierte Ziel, der Verwahrvollzug, ist längst erreicht. Fast kein Gefangener wird gelockert, selbst nicht kurz vor Entlassung, um sich auf die Eingliederung in die Gesellschaft überhaupt vorbereiten zu können. Die Gefangenen werden zunehmend isoliert und die Einschlusszeiten sind selbst für rheinland-pfälzische Gefängnisse horrend. Eine Resozialisierung gibt es in der JVA Wittlich nicht. Das übt ungeheuren Druck auf die Gefangenen aus. Da nicht jeder in der Lage ist, sich gewaltfrei zu wehren, nehmen natürlich die Übergriffe zu.

Wir heißen diese nicht gut. Aus moralischer Sicht kann man Gewalt nicht tolerieren. Gleichwohl muss man aber, wenn man den Übergriffen entgegenwirke will, erkennen, wieso diese Zustände kommen.

Das will offenbar keiner der Verantwortlichen. Dass es zu mehr Gewalt kommt, wenn der Druck auf die Gefangenen stets erhöht wird, ist logisch. Dennoch teilte ich das dem Justizministerium Mainz mehrmals mit. Ich prognostizierte, dass es immer ernstere Übergriffe geben muss, so ist es geschehen. Gehandelt hat keiner. Im Gegenteil, der Anstaltsleiter zieht weiter sein Ding durch, unbeeindruckt von den schlimmen Folgen.

Jetzt passiert etwas sehr typisches für die Justiz Rheinland-Pfalz: Es werden die die Symptome behandelt, statt die Ursache zu beheben.
Die Gefangenen allein sind Schuld (das ist natürlich auch eine praktische Ausrede für immer mehr Repression), deshalb werden die Bediensteten mit besseren Waffen ausgestattet.

Wie aber helfen Waffen, den Übergriffen, die durch Druck auf die Gefangenen entstehen, entgegenzuwirken?

Nun, die Antwort ist einfach: gar nicht!

Sie beschleunigen die Abwärtsspirale. Zudem muss man viel Phantasie haben, um Schlagstöcke als „Verteidigungswaffe“ einzustufen. Das Wort „Verteidigungswaffe“ ist im Grunde schon ein Oxymoron. Dennoch gibt es solchem, z.B. ballistische Waffen, die nur dazu eingesetzt werden, fremde Flugkörper abzufangen. Ein Angriff ist damit nicht möglich. Mit Schlagstöcken aber sehr wohl. Ein Schlagstock ist eine Hiebwaffe. Ein Schwert ohne Klinge und Spitze ist ein Schlagstock. Geräte zur passiven Verteidigung sind Helme und Schilde.

Die JVA Wittlich nähert sich weiter amerikanischen Zuständen in Gefängnissen, obwohl die Gefangenen dort in vielen Knästen, wenn es nicht gerade Mörder sind, sich wesentlich freier bewegen dürfen als die Gefangenen in der Justizverwahranstalt Wittlich, dazu wird es bald einen Bericht geben. Das ist beunruhigend.

Wir haben ja nun geklärt, wie es zu der Gewalt in Wittlich kommt. Schlagstöcke werden daran nichts ändern. Was passiert also als nächstes? Bekommen die Bediensteten dann Schusswaffen als „Verteidigungswaffen“? Steuern wir auf brasilianische Zustände im Strafvollzug hi?

Gewalt, die von manchen Gefangenen ausgeht, ist aus deren Sicht eine Verteidigung. Sie glauben, keine anderen Mittel zu haben.

Ich will dazu ein Beispiel vortragen: Stellen Sie sich mal vor, die Mordrate in Deutschland steigt um ein Vielfaches. Natürlich müssen die Straftaten geahndet werden. Das allein genügt aber nicht. Man muss der Ursache auf den Grund gehen, und schauen, wie es zu der Steigerung kommt, um die Entwicklung im Kerne anzugreifen, nur so lässt sich nachhaltig was verändern, man nennt das Prävention. Ein Wort, dass der JVA Wittlich und andere Teilen der Justiz des Landes Rheinland-Pfalz unbekannt ist.

Der Erfolg einer Anstalt bemisst sich nur an einem Maßstab, der Resozialisierung. Wird eine solche nicht erreicht, ist dies JVA und die Leitung schlicht nicht erfolgreich. Die Resozialisierung ist das einzige Ziel des Strafvollzug. Eine Fischfabrik wird auch nur daran bemessen, wieviel Fisch sie in welcher Qualität herstellt. Eine Fußballmannschaft, wie oft sie gewinnt. Erfüllt sie nicht die Erwartungen, so muss der Trainer gehen. Keiner sagt dann:“ Das Team verliert oft, die Jungs sind aber ganz nett.“

Es bleibt festzuhalten, dass die Vorfälle laut Artikel in der JVA Wittlich zunehmen. In der Zeit, in der Herr Patzak der Anstaltsleiter ist. In der Zeit, in der der Druck auf die Gefangenen stetig erhöht wird und kaum ein Gefangener gelockert wird.
Was ist nötig, dass die Verantwortlichen diesen aufdringlichen Zusammenhalt verstehen?

Das Fazit:

Schlagstöcke sind nicht dazu geeignet, Druck von den Gefangenen zu nehmen. Sie sind eine hilflose Reaktion auf eine schlechte Leitung der Anstalt. Ich bin nur froh, dass ein Regime noch nie in der Lage war, den Pöbel nachhaltig niederzuknüppeln.

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