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Rheinland-Pfalz: Mainzer Polizisten feiern “Corona-Party”

Mainz - Zahlreiche Medien berichten übereinstimmend über eine "Corona-Party" am 18.05.2020 in Mainz, die nicht von der rheinland-pfälzischen Polizei aufgelöst, sondern selbst gefeiert wurde. Dieser Skandal sorgt derzeit deutschlandweit für Aufregung.

Den erschreckenden Berichten zufolge haben etwa 40 Menschen -darunter Polizisten- in Mainz ausgelassen in einer Kneipe eine "Corona-Party" gefeiert. Die Polizisten sollen demnach am 18.05.2020 außer Rand und Band, weil mit zu wenig Abstand und ohne Mundschutz, gefeiert haben. Genau das bezeichnet man doch derzeit als "Corona-Party".

Die Kneipe soll auch länger als bis 22.00 Uhr geöffnet gewesen sein. Das ist derzeit in Rheinland-Pfalz aufgrund der Corona-Pandemie ebenfalls nicht erlaubt. Nach dem Auftauchen einer Streife sei die Party dann aufgelöst worden, heißt es außerdem. Der Wirt  soll sich dann wegen der unerlaubt längeren Öffnung selbst angezeigt haben.

Der polizeilichen "Corona-Party" sollen Beförderungen vorausgegangen sein. Davor hätte außerdem eine Trauerfeier für einen Kollegen stattgefunden, zu welcher die feiernden Polizisten wegen den Corona-Regeln nicht gehen durften.

Das alles war offensichtlich Anlass genug für die in den Medien dargestellte Ignoranz  grundlegender Corona-Regeln durch Ordnungshüter selbst.

Die Corona-Regeln stoßen auf immer größeren Widerstand in der Bevölkerung. Wenn man ständig Politiker ohne die selbst verordneten Masken sieht und Polizisten, die in der Öffentlichkeit "Corona-Partys" feiern, dann braucht man sich darüber wirklich nicht zu wundern. Für eine größere Akzeptanz für die Corona-Regeln sorgt ein solches Verhalten sicherlich nicht. Zudem darf nicht verkannt werden, dass solche Aktionen Verschwörungstheorien nähren können. Das ist absolut unverantwortlich.

In einer Mitteilung der Polizei vom 20.05.2020 heißt es: "Dieses Verhalten ist keineswegs ein Kavaliersdelikt und wird mit aller Konsequenz aufgeklärt." Außerdem: "Es ist für die Führung der Polizei in Mainz nicht akzeptabel, dass offensichtlich eine kleine Gruppe Polizeibeamter das gute Ansehen der Mainzer Polizei mit diesem nicht zu tolerierenden Verhalten schädigt."  Es beruhigt uns, dass das wenigstens so gesehen wird.

Interessant finden wir, dass die Polizei das unserer Ansicht nach durchaus dadurch versucht herabzuspielen, da sie von einer "kleinen Gruppe" spricht. Ganz offensichtlich war die Gruppe gar nicht so klein. Außerdem kann man bei vielen Polizisten nicht den typischerweise gerne genutzten Begriff "Einzelfall" verwenden. Eine Gruppe bedeutet nämlich gerade, dass genug dabei waren, die das hätten stoppen können.  Jeder einzelne Polizist hätte etwas tun können. Das ist aber nicht passiert.

Die Polizei hätte interne Ermittlungen eingeleitet. Zudem hat sich der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) eingeschaltet. Den Beamten und dem Wirt, der wenigstens die Größe hatte, sich selbst anzuzeigen, drohen nun angeblich Konsequenzen. DJP zweifelt daran und glaubt, dass die Sache wohl in Vergessenheit geraten könnte. Wir bleiben aber natürlich dran und lassen das nicht zu. Es besteht hier eindeutig ein öffentliches Interesse. Die Gesellschaft wird daher darüber zu informieren sein, ob die Regelbrecher angemessen sanktioniert wurden.

Weitere Presseberichte darüber, regional und bundesweit:

UPDATE 03.07.2020:

Laut dem Leiter der Abteilung "Polizeieinsatz" des Mainzer Polizeipräsidiums, Thomas Brühl, sollen gegen 42 Polizisten Disziplinarverfahren eingeleitet worden sein, wie der SWR berichtet.

Weiter wird berichtet, das nun bekannt worden sei, dass sich an der Corona-Party ebenfalls zwei Mitarbeiter des Mainzer Innenministeriums und einer des Landeskriminalamtes beteiligt haben sollen. Hier geht es zum DJP-Bericht darüber: Auch Mitarbeiter des Mainzer Innenministeriums bei polizeilicher "Corona-Party" anwesend.

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